Die Vorstellung eines kostenlosen Krankenhauses auf dem Boden von Freude und Freundschaft

geschrieben von Patch Adams

Ich begann das Medizinstudium im Jahre 1967, um Medizin als Werkzeug für sozialen Wandel zo benutzen. In meiner Freizeit befasste ich mich mit der Geschichte unterschiedlicher Gesundheitssysteme weltweit und setzte mich mit den gegenwärtigen Versorgungssystemen auseinander. Mein Ziel war es, ein Modell entwickeln, welches sämtliche bisherigen Probleme behandelt. Es war nicht meine Absicht, alle  Probleme zu lösen. Es sollte vielmehr Lösungsmöglichkeiten darstellen und Medizinische Fakultäten dazu animieren, ihre eigenen Ideale zu realisieren und nicht einfach eine vorgegebene gewinnorientierte Versorgung anzunehmen oder gar die Fürsorge als ein Ding der Unmöglichkeit abzustempeln.

Im Zeichen des politischen “Krieges gegen Armut” war ich überzeugt davon, dass ein kostenloses Krankenhaus in West Virginia, dem ärmsten Staat der USA, subventioniert wird und innerhalb von vier Jahren gebaut werden kann. Wenn ich zurückblicke, lächele ich darüber, da seither 33 Jahre vergangen sind, ohne dass der erste Spatenstich gesetzt wurde. Unser Architekt ist mit den Entwürfen fertig und sobald wir das Startkapital haben, werden wir mit dem Bau beginnen.

Nichts lief  so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Als Konsequenz  wurde die Vision soviel tiefer, umfassender und weitreichender.

Unsere Prinzipien haben sich nicht geändert. Für die Behandlung wird nach wie vor kein Geld verlangt  oder ein Tauschgeschäft akzeptiert. Vielmehr wollen wir dem Patienten das Gefühl nehmen, dass er etwas schuldet,vielmehr ihm das Gefühl geben, dass er zu etwas dazugehört - der erste Schritt zur Gründung einer Gemeinschaft. Eine Gemeinschaft, die sich nicht um den Menschen kümmert, ist für uns unvorstellbar. Deswegen lehnen wir auch jegliche Rückvergütung durch dritte ab.

Wir verfügen auch nicht über eine Haftpflichtversicherung, da diese Angst und Mißtrauen in jede medizinische Behandlung bringt. Wir stehen zu unserer Verwundbarkeit und es ist uns vollkommen klar, dass wir zwar Fürsorge bieten, aber keine Heilung versprechen können. In solch einer unsicheren und sich ständig wechselnden Wissenschaft benötigen wir das Recht, Fehler machen zu dürfen.

Was unseren Patienten am wichtigsten ist, ist Mitgefühl und Zuwendung - ein Zeichen unserer Zeit. Deswegen dauerten unsere Erstanamnesen circa 3-4 Stunden, um eine gegenseitige Beziehung aufbauen zu können. Das Gefühl der Vertrautheit war das größte Gut, das wir schenken können, besonders den Patienten, die im Sterben liegen, unter starken Schmerzen leiden oder chronische bzw unsichere Diagnosen haben. Ein Hausbesuch war essentiell, um solch eine Vertrautheit aufzubauen. Bei meinen Hausbesuchen öffnete ich jede Schublade und guckte in jeden Schrank. Ich möchte den Patienten in all seiner Vielschichtigkeit kennenlernen. Ein offensichtliches Geheimnis in der Medizin (das, sobald es als Unternehmen gehandhabt wird, wegfällt) ist die gegenseitige Fürsorge. Die entstandene Vertrautheit ist für den Fürsorgenden ebenso wichtig wie für den Patienten. Diese Gegenseitigkeit ist die wichtigste Prävention eines Burnouts.

Wenn Medizin als. Geschaft angesehen wird, dann vermischt sich die Bedeutung von Fursorge mit Belastung, wenn wir von den Patienten sprechen, die nicht reich sind.

Unserer Meinung nach ist Medizin, die unbelastet von finanziellen Sorgen ausgeübt wird, eine ekstatische Erfahrung.

All die Zeit mit den Patienten lehrte uns, dass dem Großteil der Erwachsenen die Lebensfreude fehlt (was unsere Definition von Gesundheit ist). Die Tatsache, dass eine Person als gesund befunden wird, nur weil das Labor und die Röntgenaufnahmen normal ausfallen, hat nichts damit zu tun, wer diese Person ist. Gesundheit hat vielmehr zu tun mit engen Freundschaften, einer sinnvollen Arbeit, Spiritualität jeglicher Art und die Möglichkeit zu liebevoller Beschäftigung und einer engen Beziehung zur Natur, den Künsten, Wundern, Neugierde, Leidenschaft und Hoffnung. All diese sind Bedürfnisse, die zeitraubend und ohne praktischen Nutzen sind. Wenn wir aber diesen Bedürfnissen keinen Raum geben, wird unsere High-tech Medizin immer mehr psychische Krankheiten diagnostizieren und Antidepressiva verordnen.

Was der Großteil unserer Gesellschaft braucht ist, ein Teilhaben am Leben . Aus diesem Grund binden wir in die Medizin auch Schauspielerei, Kunsthandwerk, Landwirtschaft, Natur, Bildung, weitere Freizeit- und soziale Aktivitäten als essentielle Bestandteile mit ein. Wir sind der Überzeugung, dass die Möglichkeit tiefe Freundschaften aufzubauen und ihrem Leben mehr Bedeutung zu verleihen, die beste Medizin ist, die wir den Patienten geben können. Dies war auch der Hauptgrund, weshalb das Krankenhaus gleichzeitig auch das Zuhause der Mitarbeiter war. Der Aufbau einer Freundschaft zu unseren Patienten war wichtig (was durch Kostenfreiheit und der Bereitschaft, ihnen unser Leben zu schenken, nicht schwer war). Im Idealfall kam der Patient mit der ganzen Familie, wenn sie gesund waren und blieben für ein paar Tage als Freunden und lernten das Krankenhaus (als Zuhause und Zufluchtsstätte) kennen, sodass allein das Dasein entspannend wirkte, ja sogar einen heilenden Effekt hatte.

 

Wir ermunterten die Patienten ihre Interessen und Fähigkeiten miteinzubinden, (Musik, Instrumente, Angel), um nicht nur die Rolle eines Patienten zu übernehmen, sondern auch als vorübergehender Mitarbeiter fungieren zu können. Hier ein Beispiel: Wenn ein KFZ-Mechaniker als Patient kommt, können alle finanziell Schwachen in der Region ihr Auto reparieren lassen. Darüberhinaus kann der Mechaniker Seminare über angewandte Mechanik geben. So baut man eine Gemeinschaft auf und vermittelt zudem das Gefühl des gegenseitigen Gebrauchtwerdens. Diejenigen, die behandelt werden, fühlen sich nicht verpflichtet, weil sie Hilfe bekommen und gleichzeitig helfen.

Um eine möglichst große Vielfalt anbieten zu können, bestehen wir darauf, alle Heilkünste zu integrieren: Allopathische Medizin einschliesslich Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Kinderheilkunde, Innere Medizin, Allgemeinmedizin und Psychiatrie werden mit alternativen Heilmethoden wie Akupunktur, Homöopathie, Naturheilkunde, Chiropraktik, Ayurveda, Antroposophische Medizin, Kräutermedizin, Körper Aufbautraining und Gesundbeten kombiniert. Es ist eine einmalige und spannende Gelegenheit, die Zusammenarbeit all dieser Heilmethoden zu beobachten und zu studieren. Die gesamte Umgebung wird als Beispiel einer präventiven Medizin dienen, in dem man erforscht, wie man Patienten und ihre Familien beim Gesundwerden (zumindest gesünder werden) helfen kann. Von Anfang an war soziale, umweltbedingte und globale Gesundheit ein essentieller Bestandteil in unserer medizinischen Praxis. Gewalt und Ungerechtigkeit wurden zu medizinischen Themen. Arbeitslosigkeit, der Unterschied zwischen Arm und Reich, Armut, Umweltverschmutzung, korrupte Regierungen und Wirtschaftssysteme wurden zu unserer Angelegenheit. Wir ermunterten und animierten dazu, am sozialen Wandel mitzuwirken, selbst wenn es das eigene Leben nicht betrifft. Es soll eine herrliche Gemeinschaft aufbauen, dessen ethischer Mittelpunkt das Wohl aller ist. Mittlerweile haben wir zu unserem Projekt noch eine Schule hinzugefügt, die sozialen Wandel lehrt, zusammen mit der ganzen Gemeinschaft als Versuchslabor. Die Landwirtschaft ist nicht nur dazu da, Menschen zu ernähren, sondern auch um deren Nachhaltigkeit zu erkunden. Unser Konzept einer Gemeinschaft soll ein Experiment mit adäquater Technologie darstellen.

Eines der radikalsten Teile unserer Vision ist das Vorhandensein von Freude an jeglicher Aktivität. Ich möchte das erste verrückte Krankenhaus bauen. Albernheit und Leichtigkeit wird gefördert, ja sogar übertrieben, auch in ernsten Situationen. Wir erlebten bizarres, ja lustiges Sterben und witzige, ja skurrile Verhaltensweisen zusammen mit psychisch Kranken. In unserer normalen, ernsten Welt mit teils tristen, medizinischen Einrichtungen (keine einzige Studie unterstützt das Ernstsein, aber tausende andere beweisen, dass Freude und Humor eine heilsame Wirkung haben), gab es für uns keinen Widerspruch, ein Krankenhaus einem Vergnügungspark gleichzumachen, was für Mitarbeiter und Patient wichtig ist.

Unsere idealen Mitarbeiter sind lebensfroh, witzig, liebevoll, kooperativ und kreativ. Der Knackpunkt, dieses wunderbare Modell umzusetzen lag in den Menschen, die Entscheidungen treffen und hier leben; es sind die Menschen, aus denen das Modell entsteht und besteht. Ideen können nur real sein, wenn es Leute gibt, die diese umsetzen. Politisch gesehen ist unser wichtigstes Werkzeug für Wandel das glückliche Zusammenleben in einem konstanten frohen Dienst indem wir unserer Kreativität freien Lauf lassen können bei einem sehr niedrigem Gehalt. Die Pointe liegt nicht darin, Mitarbeiter darin zu schulen, sondern solche zu finden, deren Lebensform so ist.

Während unserer ersten 12 Jahre (1971-1983) lebten wir dieses Modell als Pilotprojekt. 20 Erwachsene und unsere Kinder zogen in ein großes Haus mit 6 Zimmern und wir nannten uns ein Krankenhaus.

Wir waren täglich über 24h für sämtliche medizinischen Probleme von Geburt bis zum Tode hin geöffnet. Drei der Erwachsenen waren Ärzte. Jeden Monat behandelten wir 500-1000 Patienten, darunter jeweils circa 5-50 Patienten pro Nacht. Insgesamt kamen in den 12 Jahren circa 15000 Patienten. Kein einziges Mal wurden wir verklagt. Mindestens 3000 unserer Patienten waren psychisch krank, wir verordneten aber keine Psychopharmaka. Wir überwiesen die Patienten, die wir nicht handhaben konnten. Es war wirklich eine enorm faszinierende und anregende Erfahrung. Wir bekamen keine Spenden, weswegen unsere Mitarbeiter Halbtagsjobs annehmen mussten, um weiter praktizieren  zu können. Nach neun Jahren fürchtete ein Großteil der Mitarbeiter, dass wir niemals finanzielle Unterstützung bekommen werden und hörten auf. Für mich war das der traurigste Moment, da ich sie alle liebte und mir klar war, dass ich durchhalten muss.

In den nächsten drei Jahren versuchte ich, die Arbeit fortzuführen. Mir wurde bewusst, dass ich eine geeignete Einrichtung brauche, um dieses Modell zu realisieren. Jetzt lag die Aufgabe darin, Geld für den Bau zu sammeln. Die Vorstellungen waren zu radikal, um die üblichen Finanzmittel zu bekommen. Wir mussten weltweit die notwendigen Spenden sammeln. Der Schlüssel hierfür ist Publizität und Ruhm. Deshalb brach ich einen Grundsatz unserer Philosophie - keine Publizität - und ging hinaus in die Öffentlichkeit. So kletterten wir in den letzten 20 Jahren die Leiter aus Ruhm und Reichtum hinauf in der Hoffnung unser Ideal zu bauen als eine Kompromißlösung zu schaffen. Diese Arbeit erreichte im Jahre 1998 einen Höhepunkt, als der Film “Patch Adams” mit Robin Williams in der Hauptrolle, erschien.

All dies ermöglichte, ein 1,3km² grosses Gelände in Pocahontas County, West Virginia erwerben. Es beinhaltet drei Wasserfälle (hinter einem befinden sich Höhlen), einen 1,6ha großen Teich, einen Berg mit Hartholz und 11ha reicher Erde, der 22 Jahre lang keine Chemikalien zugeführt wurde. Wir bauten zwei wunderschöne Häuser als Basis für ein Krankenhaus. Vor zwei Jahren, als mich Wehmut bzgl des immer noch nicht bestehenden Krankenhauses erfüllte und ich Sehnsucht nach Patienten hatte, war ich einverstanden mit der ersten Phase zu beginnen und eine ambulante Station und eine Schule für sozialen Wandel wieder zu eröffnen. Wir baten unseren Architekten, der seit 21 Jahren für uns gearbeitet hat, einen fertigen Entwurf hervorzubringen. Wir sind schuldenfrei und  haben einen guten Start für die erste Phase.

Ich könnte frustriert, sogar traurig sein, da das Krankenhaus noch immer nicht gebaut wurde. Dennoch kann es sich langfristig als einen wertvollen Zeitraum erweisen. In diesen 33 Jahren wurde unser Modell soviel größer, facettenreicher, klüger und globaler als wir es uns in den ersten zwölf Jahren jemals erträumt hatten. Der weltweite Einfluß änderte das Leben vieler Patienten und führte zu manch sozialem Wandel. Das wäre nie geschehen, wenn wir von Anfang an Spenden bekommen hätten. Mein Versagen im Spendensammeln hat mich, sämtliche Mitarbeiter und Freunde dazu gezwungen, sich in alle (Himmels)Richtungen auszudehnen und viele wertvolle Menschen zu gewinnen, die für unsere Bemühungen einen weiteren Freundeskreis von Tausenden von Menschen bilden - besonders in der Heilkunst, sozialem Wandel und den Künsten. Gesundheit! wurde zwischenzeitlich zu einer globalen Triebkraft in über 40 Ländern, die sich erfreulicherweise ständig weiter ausdehnt.

Unser Beispiel, ein funktionierendes Modell mit Voll-und Teilzeitmitaqrbeitern, wird atemberaubend sein, denn eine Variante davon passiert ja schon.

Die Patienten in unseren ersten zwölf Jahren waren Individuen und Familien, deren Organsysteme wir begutachtet haben. Die Patienten unserer letzten 20 Jahre waren Gemeinschaften und Gemeinden und auch deren Organsysteme haben wir begutachtet, mit Hinblick auf Umweltfaktoren, soziale und politische Strukturen und ökonomisch.  Alle diese “Patienten” werden durch unser Krankenhaus tanzen, wenn es erst einmal gebaut ist. Ich musste die Mittel für die Aktionen der letzten 20 Jahre beschaffen und jeder Monat entpuppte sich zu einem kreativen Überlebenstraining. Seit dem Erscheinen des Films ist der Überlebenskampf nicht mehr so gravierend, dennoch verfügen wir noch immer nicht über das notwendige Geld für das Bauwerk. Die Schönheit dieser Reise jedoch verleiht die Geduld, denn jeder einzelne Tag ist aufregend und global einflussreich, unabhängig von dem Bauvorhaben. Das soll nicht heißen, dass der Bau des Krankenhauses weniger wichtig ist. Das Gegenteil ist der Fall: es ist so wichtig wie noch nie, da es in all diesen 31 Jahren das einzige solche Modell in den USA geblieben ist (und eines der wenigen weltweit), das die Probleme im Gesundheitssystem umfassend angeht. Schon das Beispiel an freudiger Ausdauer alleine ist ein wichtiges, andere inspirierendes Modell für einen Wandel, den unsere Welt braucht.

Seit 1983 behandeln wir keine Patienten mehr, um uns weltweit ganz und gar dem Spendensammeln zu widmen. Ich begann Vorlesungen zu halten (bis zu elf pro Tag) und über eine Vielzahl von Themen vor ganz unterschiedlichen Zuhöreren zu referrieren: an Grundschulen bis zu Medizinischen Fakultäten (v.a. in den USA, aber auch in 30-40 Ländern), in Kirchen, Gemeinschaften, Unternehmen und an Konferenzen. Vor dem Film war ich circa 200 Tage/Jahr unterwegs, seither 300 Tage/Jahr. Die konstante Öffentlichkeitsarbeit, mein Buch (das in 10 verschiedenen Sprachen erhältlich ist) und der Film machten uns weltweit zu einem festen Bestandteil, wenn es um ein am Menschen orientiertes Gesundheitssystem geht.

In den letzten 20 Jahren breitete sich unsere Arbeit als 'heilender' Clown so aus, dass Clowns ein regulärer Bestandteil in Krankenhäusern auf jedem Kontinent sind. Dies wächst immer weiter, sobald Menschen über die Wichtigkeit von Freude und Witz in der Öffentlichkeit als ein Zeichen für Frieden, Gerechtigkeit und Fürsorge realisieren. Ich besuchte mit Clowns Gefängnisse, ging ins Ausland und in Flüchtlingscamps und Kriegsgebiete. Seit 18 Jahren fahre ich jährlich mit 30 Clowns aus aller Welt für zwei Wochen nach Russland. Dort arbeiten wir in Krankenhäusern, Waisenhäusern, Gefängnissen und Altenheimen, aber auch am Flughafen, in der U-Bahn, auf der Strasse und in Hotels. Dies führte vor 10 Jahren in eine dauerhafte Fürsorge für Waisenkinder, was jetzt überall anerkannt ist. Wir gingen mit Clowns in Kriegsgebiete nach Bosnien, in Kosovo-Flüchtlingscamps nach Mazedonien, in Waisenhäuser nach Rumänien für AIDS kranke Kinder, afrikanische Flüchtlingscamps, nach Kuba, China, El Salvador, Korea und Haiti. Wir gingen mit 22 Clowns aus allen sechs Kontinenten und zehn Tonnen mit allerlei Hilfsgütern für dreieinhalb Wochen in den Krieg nach Afghanistan. All diese Arbeit verbindet uns mit anderen Hilfsorganisationen (wie Airline Ambassadors), weswegen es jetzt wesentlich einfacher ist, Menschen und Hilfe schnellstmöglichst und effektiv zu organisieren. Diese Erfahrungen führten uns auch zu globalen Gesprächen zur Konfliktlösung.

Die Gestik von Liebe und Freude waren wie ein Magnet für wunderbare Menschen, die ihr Leben der liebevollen Fürsorge widmen möchten. Tausende von Ärzten und Krankenschwestern schreiben mir jedes Jahr, dass sie in unserem Krankenhaus leben und 40-60h arbeiten möchten gegen eine Bezahlung von circa 3000$ pro Jahr. Noch mehr wollen Teilzeit arbeiten. Immer wieder kommen Medizinstudenten aus der ganzen Welt und lernen von unserer Methode. Das ist wohl der wichtigste Grund für den Bau des Krankenhauses.

Vor neun Jahren formierte sich eine neue Gruppe aus alten und neuen Freunden, um gemeinsam diesen Traum zu verwirklichen: das war unser zweiter wirklicher Wechsel im Mitarbeiterteam. Seither trage ich nicht mehr unsere Vision alleine, weil jeder in der Gruppe - obwohl sehr unterschiedliche Charaktere und Vorstellungen vorhanden sind - seinen Platz gefunden hat und eine Bereitschaft als Kollektiv am großen Ganzen zu arbeiten. In jedem Projekt, das von einer Person ins Leben gerufen wurde, ist dies ein Riesenschritt für das weitere Bestehen, falls dem Visionär etwas zustösst.

Ein weiterer, wichtiger Vorteil davon ist, dass jeder seine besonderen Interessen und Fähigkeiten in das Projekt mit einbringt. Dadurch werden viel mehr Aufgaben, die ich machen wollte, umgesetzt und erweitert. Jeder einzelne bringt seine eigene Kreativität mit ein und bereichert das Projekt. Ich denke, dass mittlerweile die Voraussetzungen erfüllt sind, das Krankenhaus zu bauen.

Wir wollen ein Krankenhaus für die Landgemeinde mit 40 Betten bauen. Für das Personal und deren Familien werden 60 Betten zur Verfügung in einem kreativen, komfortablen und kommunalen Krankenhaus bereit stehen. 40 weitere Betten sind für Gäste wie Praktikanten für Heilberufe, das Augenarztteam alle 3 Monate, Klempner, Streichquartette und alle, die eine Service-orientierte Freizeit haben wollen. Knapp 3000m² werden für Kunst zur Verfügung stehen als Zeichen für die Kunst als zentrale Rolle in unserem Projekt. Es wird außerdem eine Schule für sozialen Wandel geben sowie eingehende landwirtschaftliche Programme. Es wird lustig aussehen, voller Überraschungen und Magie. Wir werden sehen, wie weit unser effektiver Betriebshaushalt unter dem nationalen Durchschnitt liegen wird - meiner Meinung nach werden wir erschreckend preiswert sein. Im Idealfall finden wir eine Stiftung, die unsere laufenden Kosten übernimmt. Wenn das nicht der Fall ist, fallen uns genügend kreative Wege ein, die laufenden Kosten decken zu können. Eine 16 Hektar großes Dorf wird für unsere Schule zur Verfügung stehen, die auch für kranke Kinder bzw für die Kinder kranker Eltern offen sein wird, und andere wichtige Versuche  für das Zusammenleben (zum Beispiel wie alle Altersgruppen lustig und gesund miteinander leben können). Auch Mitarbeiter, die vier Jahre oder länger im Krankenhaus gearbeitet haben und etwas Abstand von der Intensität des Krankenhaus haben wollen, können sich hier im Dorf ihren phantasievollen Lebensraum schaffen.

Ich möchte allen Lesern nahe bringen, dass die ganze Reise bis jetzt himmlisch war. Allein die Tatsache, auf der Suche nach einem Ideal zu sein, ist allein schon eine Befriedigung. Niemals hatte ich das Gefühl etwas geopfert zu haben oder dass es ein schwerer Weg war. Es wäre schwer gewesen, in einer Medizin, die als Unternehmen ausgelegt ist zu arbeiten und täglich meine Patienten und mich selbst anzulügen. Die Sorge für die Zukunft unserer Menschheit treibt mich dazu, alles mir mögliche zu ändern, was den Menschen und die Natur verletzt. Das ist Gesundheit! für mich und so viele andere.